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Lorda Red, Wrackspurts, Cocktailbar Stammheim; irgendwo draußen in Düsseldorf, 10.10.20

Eine an Spontanität kaum zu überbietene äh... Spontanität schupste uns ins Auto und ehe wir uns versahen standen wir mitten in der Kiefern, wo uns der zufällig mit Gefährt entgegen kommende Fischer, mehr oder weniger bekannt aus der musikalischen Punkrocklandschaft Düsseldorfs, brutal in eine Parklücke drängte. Krass, so leicht ist das hier nicht immer. Und dann sagte eine Stimme zu mir: "So lange Du es nicht hinbekommst, auf diese ewig langen verschachtelten Sätze zu verzichten, brauchst Du gar keine*n mehr ansprechen, ob sie*er Dir nochmal was von Deinen unnötigen Gedanken einspricht." Tut ich ja auch nicht.

Wir hatten uns viel vorgenommen und starteten deswegen etwas zu spät, was bei spontanen Ideen ja schon mal vorkommen kann. Also fuhren wir mit der U-Bahn zum Rhein, ärgerten uns dort über die ganzen Leute, entfernten unschöne Aufkleber von den Masten und liefen weiter über teils schöne und teils unschöne Straßen, bis wir am Jade-Imbiss ankamen und feststellten, dass dieser erst in einer halben Stunde öffnete. Später als erwartet gestärkt ging es dann wieder über diverse U-Bahnen, in denen uns direkt eine musikalische Teilbelegschaft aus einem Risikogebiet über den Weg lief, zurück in Richtung Kiefern. Und schon klatschte mir jemand meine verschachtelten Sätze um die Ohren.

Der heute für die Aufführung der Bands zur Verfügung stehende Platz ist mega schön. Und die Menschen, die sich dort heute versammelten oder auch sonst hier abhängen, sowieso. Das reicht allerdings nicht aus, um meine Aufnahmefähigkeiten bei Mitteilungen, die über 2 Sätze hinaus gehen, zu erhöhen. Und so fragte ich noch während meiner Verarbeitungsphase im Eingangsbereich vorsichtig nach, ob die Schlange hinter uns inzwischen sehr lang wäre, da ich mich schon längst nicht mehr traute, mich umzudrehen. Doch als ich verstand, nahm das Unheil seinen Lauf:

Denn auf dem Gelände verteilt standen jede Menge Kisten Bier. Plus ein paar wenige Nicht-Bier-Kisten. Die Herausforderung war nun grob abzuschätzen, wie viele man davon im Laufe des Abends zu konsumieren gedenkt, um dafür direkt beim Eintritt seine Spende in Höhe einer Empfehlung oder mehr oder weniger, zu entrichten. Als ich das endlich kapiert hatte versuchte ich kurz zu rechnen, lachte dann innerlich, als mir mein leider noch immer viel zu oft grenzenloser Durst durch den Kopf schoss und spendete im meiner Ansicht nach angemessenen Rahmen. Bis dahin gut und lustig, doch als ich dann zur ersten Flasche griff, erstarrten meine Organe in Ehrfurcht:

Dortmund Union Export.

Da hat sich doch sicher irgendwer gedacht: "Bevor der Maks kommt und alles wegsäuft, holen wir mal lieber eine der schlimmsten Plörren, die wo gibt."

OK, Zeit ein paar Dinge klar zu stellen: Erstens interessiert es kein Schwein, ob ich hier bin und was ich trinke. Zweitens sind Witze über übermäßigen Alkoholkonsum nicht witzig und übermäßiger Alkoholkonsum erst recht nicht. Und drittens vor allem nicht cool. Ganz im Gegenteil. Und was mich persönlich betrifft: Der morgen danach noch weniger.

Ich weiß nicht, ob es eine unterbewusste Überreaktion war. Aber mir war offenbar danach meine Spende, die auch sehr gut und noch besser da gelandet wäre, wenn ich weniger getrunken hätte, unbedingt in unfähre Relation zu meiner tatsächlichen Aufnahme zu äh... dingsen. Tatsache ist jedenfalls, dass mir Geschmack und Gefahren offenbar ziemlich latte waren, obwohl ich die persönlichen, vielleicht inzwischen auch altersbedingten Folgen, doch viel zu gut kenne.

Doch bis es soweit war freute und ärgerte ich mich: Ich freute mich über all die tollen Menschen, die wir so lange nicht gesehen haben. Über witzige Gespräche, über Livemusik in einem Rahmen wie "früher" und das alles an der frischen Luft, wo die Risiken überschaubar scheinen und alles den Auflagen entspricht. Dass ich mich mal über was freue, was "den Auflagen entspricht". Ich spare mir das ausholen.

Ärgern musste ich mich leider im Laufe des Abends über die wieder einsetzenden Schmerzen im Rücken. So´n Barhocker wäre jetzt cool, ich bin das rumstehen echt nicht mehr gewohnt. Doch leider sind diese hier rar gesäht, da sie sich im Nullbereich befinden. Als die Stammheimer Cocktailbar ihre geliebten Songs zum besten gibt, drückt, zwickt und schmerzt es immer mehr und selbst ein auf- und abhoppeln mit Hilfe der Zehenspitzen verweigert den Erfolg. Da bleibt leider nur die imaginäre Pommesbude, noch bevor die letzten Klänge von der Bühne schallen.

Im Auto sitzend resümere ich dennoch ein Fazit der Zufriedenheit: Der Abend war herrlich. Und auch die uns auf der Rückreise aus den Boxen begleitete Musik wird mal wieder zu meinem Lieblingsalbum erklärt. Das ist oft so, wenn wir nach Hause fahren und ich glücklich bin. Egal was da gerade läuft. Heute ist der Satz: "Boahr ey, die Unsteady Times von Scrapy... das ist echt mein absolutes Lieblingsalbum." Und dieses Mal stimmt es sogar. Denke ich immer, wenn wir glückseelig nach Hause fahren.

Die Glückseeligkeit findet ihr rasches Ende wie erwartet in den frühen Morgenstunden. Ich liege im Bett und denke "scheiße, das fühlt sich nach dem erwarteten Spätkater an." Spätkater deswegen, weil es mir tatsächlich häufig die ersten Stündchen nach dem Aufstehen noch ganz gut geht, bevor mir so richtig schlecht wird, ich Kopfschmerzen und Schüttelfrost bekomme, rumjammer und nur noch ohnmächtig sein will. Dieses Mal ist es etwas anders: Der Kater setzt früher ein und ich verbringe mit einem Eimer neben der Bettkante einen kompletten Tag, der so uncool ist, wie der Tag zuvor cool war. Ich entscheide mal wieder, dass der Preis dafür viel zu hoch ist und ich zukünftig lieber auf den Folgetag, als auf den Tag davor verzichten werde. Fortsetzung folgt. Gute Nacht!